KI für Videoproduktion
Video Insights

KI entwickelt sich gerade unglaublich schnell. Neue Modelle, Plattformen und Funktionen kommen gefühlt jede Woche dazu.
Aber die interessantere Frage ist eigentlich:
Wie kann man KI heute konkret in der Videoproduktion einsetzen?

Für diese Folge von Video Insights habe ich mit Sergej Allerborn gesprochen. Sergej arbeitet intensiv mit KI für Bild- und Videogenerierung und setzt die Tools auch in echten Kundenprojekten ein.

Wir sprechen darüber, wie er an Prompts herangeht, warum Referenzbilder so wichtig sind, wie aus einzelnen Bildern AI-Videos entstehen und was am Ende den Unterschied zwischen einem durchschnittlichen und einem wirklich guten Ergebnis macht.

1. Besser mit KI arbeiten

Eine Sache ist mir bei Sergejs Workflow ziemlich schnell aufgefallen:
Er spricht oft mit der KI, anstatt alles einzutippen.

Gerade wenn man ein Bild oder Video verbessern möchte, lässt sich so viel einfacher erklären, was noch nicht stimmt.
„Ich finde es einfach leichter zu diktieren. Beim Tippen dauert es lange und manchmal ist es schwer, sich genau auszudrücken.“

Statt einen perfekten Satz zu formulieren, kann man einfach sagen:
Das Licht gefällt mir noch nicht. Das Bild ist zu nah. Es wirkt zu künstlich. Ich möchte eine andere Perspektive.

So bekommt die KI deutlich mehr Kontext und man kommt schneller zu dem Ergebnis, das man eigentlich im Kopf hat.

KI nutzen, um KI besser zu nutzen

Ein weiterer einfacher Ansatz aus Sergejs Workflow: KI kann auch dabei helfen, bessere Prompts für andere KI-Tools zu erstellen.
Anstatt selbst lange an einem perfekten Prompt zu feilen, kann man ChatGPT, Claude oder ein anderes Sprachmodell zunächst erklären, was man erreichen möchte. Danach lässt man den Prompt für das jeweilige Bild- oder Videomodell optimieren.

Sergej geht dabei zum Beispiel so vor:
„Ich sage einfach: Optimiere den folgenden Prompt für Claude oder ChatGPT so, dass er optimal für die Arbeitsweise ist. Dann schreibe oder spreche ich meinen Prompt rein.“

Die entscheidende Frage ist also weniger:  „Wie schreibe ich den perfekten Prompt?“
sondern eher: „Wie kann ich möglichst klar erklären, welches Ergebnis ich möchte?“

2. Bessere Bilder mit KI erstellen

Ein gutes KI-Video beginnt häufig mit einem guten Bild. Sergej beschreibt dabei drei Elemente, die besonders wichtig sind:

Das richtige Modell wählen

Nicht jedes Bildmodell ist für jede Aufgabe gleich gut geeignet. Ein Modell kann besonders stark bei fotorealistischen Bildern sein, ein anderes bei Typografie, Grafiken oder Illustrationen.

Sergej vergleicht die Auswahl des Modells mit der Wahl einer Kamera:
„Jede Kamera liefert ein ganz anderes Bild, andere Farben, eine andere Qualität. Und genauso ist es auch bei KI.“
Statt also zu fragen: „Was ist der beste KI-Bildgenerator?“
ist die bessere Frage: „Welches Modell passt am besten zu diesem konkreten Bild?“

Einen klaren Prompt erstellen

Der Prompt gibt dem Modell die Richtung vor. Je nach Projekt können darin Informationen über Motiv, Perspektive, Kamera, Objektiv, Licht, Umgebung oder Stimmung enthalten sein.
Ein längerer Prompt ist dabei aber nicht automatisch ein besserer Prompt.

Mit Referenzbildern arbeiten

Für Sergej sind Referenzbilder besonders wichtig.
Das können Fotos, Kampagnenbilder, Lichtreferenzen, bestehender Brand Content oder einfach Bilder aus einem Moodboard sein.
„Die Referenzbilder sind unheimlich wichtig. Das heißt: das Modell auswählen, einen passenden Prompt und als dritte Komponente die Referenzbilder.“

Die KI kann solche Bilder sogar analysieren:
Welche Art von Licht wurde verwendet?
Welche Brennweite könnte diese Perspektive erzeugen?
Warum wirkt das Bild hochwertig oder filmisch?
Welche Farben und Kontraste bestimmen den Look?

Sergej nutzt diesen Ansatz auch, um visuelle Referenzen gewissermaßen reverse zu engineeren und daraus eine eigene Bildsprache für den Prompt abzuleiten.

3. Von KI-Bildern zu KI-Videos

Wenn die Bilder stehen, geht es an die Bewegung. Der Workflow ähnelt dabei überraschend stark einer klassischen Videoproduktion.
Angenommen, man möchte ein 30-sekündiges Produktvideo erstellen. Zuerst überlegt man sich die Geschichte und die einzelnen Szenen. Danach werden die wichtigsten Shots zunächst als Bilder generiert.
Diese Bilder werden im Grunde zum Storyboard des späteren Videos.

Szene für Szene arbeiten

Sobald der Look stimmt, können die einzelnen Bilder animiert werden.
Dabei lassen sich unter anderem definieren:
– Kamerabewegung
– Bewegung einer Person oder eines Produkts
– Bewegung im Hintergrund
– Übergänge
– Start- und Endframes

Sergej arbeitet besonders dann gerne Szene für Szene, wenn er möglichst viel Kontrolle über das Ergebnis braucht:
„Wenn ich wirklich volle Kontrolle haben will, animiere ich das immer Szene für Szene und schneide das später selber zusammen.“
Gerade bei echten Produkten ist das wichtig.
Eine Flasche, eine Maschine oder ein technisches Produkt sollte schließlich nicht plötzlich von einer Szene zur nächsten anders aussehen.

Erst testen, dann in hoher Qualität generieren

KI-Videos können schnell teuer werden. Und nicht jede Generation funktioniert beim ersten Versuch.
Deshalb empfiehlt es sich, zunächst mit einer niedrigeren Auflösung oder günstigeren Einstellungen zu testen.
Stimmt die Bewegung? Passt die Kamerafahrt? Bleibt das Produkt konsistent?

Erst wenn die Richtung funktioniert, lohnt sich die finale Generation in höherer Qualität. Im Grunde ist es ähnlich wie bei einer klassischen Produktion:
Erst testen, dann finalisieren.

4. Was macht guten KI-Content aus?

Wenn immer mehr Menschen Zugang zu denselben KI-Tools haben, warum sehen manche Ergebnisse trotzdem deutlich besser aus als andere?
Für Sergej bleibt kreative Erfahrung entscheidend:

„Ich glaube nicht, dass KI uns Creatives ersetzen kann. Die Vision, die du hast, ist auf jeden Fall das A und O.“

Wer bereits Erfahrung mit Video oder Fotografie hat, bringt ein Verständnis für Bildgestaltung mit:
Welche Perspektive funktioniert?
Welches Licht passt?
Welche Brennweite würde man wählen?
Wie sollte sich die Kamera bewegen?

Diese Kenntnisse verschwinden nicht, nur weil ein Bild generiert statt gefilmt wird.
Im Gegenteil: Sie helfen dabei, der KI bessere Anweisungen zu geben.

Den typischen „KI-Look“ vermeiden

Ein weiteres Problem: KI-Bilder sehen schnell zu perfekt aus.
Perfektes Licht.
Perfekte Haut.
Perfekte Schatten.
Perfekte Symmetrie.

Gerade Referenzbilder und bewusst eingebaute Unregelmäßigkeiten können deshalb dabei helfen, ein Ergebnis natürlicher wirken zu lassen.

5. Wie können Marketer KI für Video nutzen?

Für Marketingteams bedeutet KI nicht automatisch, einen kompletten Werbespot künstlich zu generieren.
Oft liegen die sinnvollsten Anwendungen viel näher am bestehenden Produktionsprozess.

Kampagnenvarianten erstellen

Eine Marke besitzt vielleicht bereits gute Produktfotos, benötigt aber zusätzliche Motive für Kampagnen oder Performance Ads.
Mit KI lässt sich dasselbe Produkt in unterschiedlichen Situationen inszenieren, ohne für jede Variante eine neue Produktion organisieren zu müssen.

Gerade beim Testen verschiedener visueller Konzepte kann das interessant sein.
Ein Produkt kann beispielsweise in unterschiedlichen Umgebungen, Situationen oder Formaten dargestellt werden, bevor man sich für eine größere Produktion entscheidet.

Fehlendes Material ergänzen

KI kann aber auch eine klassische Videoproduktion ergänzen.
Vielleicht fehlt ein Establishing Shot. Ein zusätzliches Produktbild soll animiert werden. Ein Hintergrund muss erweitert werden.
Oder es existiert ein Produktfoto, aber kein entsprechender Video-Shot.

Genau so ist Sergej selbst stärker in das Thema KI eingestiegen: bestehendes Kundenmaterial ergänzen und daraus Bilder oder Animationen erstellen, die vorher nicht vorhanden waren.

KI schon vor dem Dreh nutzen

Auch in der Pre-Production kann KI heute sehr hilfreich sein.
Zum Beispiel für:
– Ideen und Konzepte – Skripte – Storyboards –
– Moodboards – Shotlists – visuelle Referenzen -…

Gerade für Marketingteams ist das wahrscheinlich einer der einfachsten Einstiege.
Man muss nicht direkt einen kompletten Film mit KI produzieren.
Schon ein Storyboard oder Moodboard kann helfen, eine Idee vor dem eigentlichen Dreh deutlich besser zu kommunizieren.

KI als Sparringpartner nutzen

Sergejs letzter Tipp ist wahrscheinlich auch der, der sich am einfachsten umsetzen lässt:
Nutzen Sie KI, um KI zu lernen.
Wenn Sie nicht wissen, welches Tool Sie verwenden sollen, fragen Sie einfach die KI.
Wenn ein generiertes Bild nicht richtig aussieht, zeigen Sie es der KI und fragen Sie, woran das liegt.
Wenn Sie eine konkrete Videoidee haben, beschreiben Sie diese und fragen Sie, wie Sie sie am besten umsetzen könnten.

Sergej beschreibt das als eine Art Sparringspartner:
„Ich glaube, man sollte es einfach noch mehr als Sparringpartner nutzen.“

Das ist wahrscheinlich auch der einfachste Einstieg.
Mit einem echten Projekt anfangen.
Fragen stellen. Etwas ausprobieren.
Schauen, was noch nicht funktioniert.
Und Schritt für Schritt verbessern.

Noch tiefer einsteigen?

Schauen Sie sich das vollständige Gespräch mit Sergej oben an, wenn Sie mehr über seine Workflows, konkrete Beispiele und die Tools erfahren möchten, die er aktuell für Bild- und Videogenerierung nutzt.

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