
Social Media ist für Unternehmen zu einem wichtigen Kommunikationskanal geworden. Doch bei all den Plattformen, Formaten und Trends ist es nicht immer einfach zu entscheiden, worauf man sich konzentrieren sollte.
– Lohnt es sich, in professionelle Videoproduktionen zu investieren, oder sind spontane Smartphone-Videos die bessere Wahl?
– Wie wichtig sind Likes und Follower wirklich?
– Und wie findet ein Unternehmen interessante Themen, wenn es das Gefühl hat, nichts zu erzählen zu haben?
Für diese Folge von Video Insights habe ich mit Ingrid Rosiau gesprochen, einer Social Media Managerin, die unter anderem mit Architekten, Designern, Künstlern und kreativen Marken zusammenarbeitet.
Wir sprechen über Social-Media-Strategie, Storytelling, Videoinhalte, aktuelle Formate und die zunehmende Rolle künstlicher Intelligenz.
1. Social Media ist mehr als nur Posten
Ein wichtiger Punkt aus unserem Gespräch ist der Unterschied zwischen kurzfristigen Ergebnissen und dem langfristigen Aufbau einer Marke.
Mit bezahlter Werbung können Unternehmen gezielt bestimmte Zielgruppen erreichen und beispielsweise Verkäufe generieren. Organische Beiträge haben dagegen oft eine andere Aufgabe: Sie helfen dabei, eine Marke bekannter zu machen, Vertrauen aufzubauen und mit potenziellen Kunden in Kontakt zu bleiben.
Jemand entdeckt vielleicht heute ein Unternehmen auf Instagram, verfolgt dessen Inhalte über mehrere Monate und entscheidet sich erst später für einen Kauf.
Deshalb sollte es bei Social Media nicht immer nur um direkte Verkäufe gehen.
Mehr als nur Likes
Social-Media-Plattformen liefern viele Daten darüber, wie Beiträge funktionieren. Aber welche Zahlen sind wirklich wichtig?
Ingrid erklärt, dass Likes allein nicht unbedingt viel über den Erfolg eines Beitrags aussagen. Je nach Ziel können andere Kennzahlen interessanter sein:
– Reichweite und Aufrufe: Wie viele Menschen haben den Beitrag gesehen?
– Geteilte und gespeicherte Beiträge: War der Inhalt interessant oder hilfreich genug, um ihn zu teilen oder zu speichern?
– Neue Follower: Hat der Beitrag Menschen dazu gebracht, dem Unternehmen zu folgen?
– Website-Besuche und Conversions: Hat der Beitrag zu einer konkreten Handlung geführt?
Am Ende kommt es also darauf an, was Sie mit Ihren Inhalten erreichen möchten.
2. Jedes Unternehmen hat eine Geschichte zu erzählen
Ein Punkt, den ich aus unserem Gespräch besonders interessant fand: Viele Unternehmen glauben, dass sie eigentlich nichts Spannendes auf Social Media zu erzählen haben.
Ingrid nennt das Beispiel eines Schreiners, der vielleicht sagt:
„Ich habe doch nichts zu erzählen. Ich arbeite einfach mit Holz.“
Dabei gibt es jede Menge interessante Fragen. Woher kommt das Holz?
Welche Holzarten verwendet er? Wie werden die Materialien verarbeitet?
Und warum entscheidet er sich für eine bestimmte Technik?
Für den Schreiner ist das alles ganz normal. Für jemanden, der nicht jeden Tag in einer Werkstatt steht, kann es dagegen ziemlich interessant sein.
Genau hier kann eine Social Media Managerin helfen, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Denn oft geht es gar nicht darum, neue Geschichten zu erfinden, sondern die Geschichten zu erkennen, die bereits da sind.
Mehr als nur das Produkt
Auf Social Media können Unternehmen viel mehr zeigen als nur ihre Produkte oder Dienstleistungen.
Zum Beispiel die Menschen hinter dem Unternehmen, die einzelnen Arbeitsschritte, besondere Materialien oder die Werte, die hinter einer Marke stehen.
Was für Sie zum normalen Arbeitsalltag gehört, kann für Ihre Zielgruppe durchaus spannend sein.
Und manchmal braucht es einfach jemanden von außen, der genau diese Geschichten entdeckt.
3. Was macht gute Social Media Videos aus?
Videos sind heute ein wichtiger Teil der Kommunikation auf Social Media. Aber es gibt nicht das eine Format, das für jedes Unternehmen funktioniert.
Ingrid erklärt, dass die Wahl des Formats immer von der Marke, der Zielgruppe und dem jeweiligen Ziel abhängt.
Ein kurzes Reel, ein informativer Karussell-Beitrag oder ein längeres Video können alle sinnvoll sein. Entscheidend ist, was Sie damit kommunizieren möchten.
Die ersten Sekunden zählen
Gerade bei kurzen Videos sind die ersten Sekunden besonders wichtig.
Nutzer scrollen schnell durch ihren Feed. Wenn ein Video nicht relativ schnell Interesse weckt, wird einfach weitergescrollt.
Ein guter Einstieg, Untertitel und ein passendes Format können helfen, die Aufmerksamkeit zu gewinnen und die Inhalte leichter verständlich zu machen.
Allerdings ändern sich die Formate und Sehgewohnheiten ständig. Ingrid erwähnt zum Beispiel, dass auch horizontale Videos mit einem eher filmischen Look auf Social Media wieder häufiger auftauchen.
Es lohnt sich also, neue Formate auszuprobieren und zu beobachten, was bei der eigenen Zielgruppe funktioniert.
Muss man jedem Trend folgen?
Trends können interessant sein und neue Möglichkeiten bieten, Inhalte zu gestalten. Aber nicht jeder Trend passt zu jedem Unternehmen.
Ingrid empfiehlt deshalb, sich zuerst zu fragen, ob ein bestimmter Trend überhaupt zur Marke und ihrer Zielgruppe passt.
Ein lustiges Videoformat kann für eine Marke hervorragend funktionieren und für eine andere völlig unpassend sein.
Es geht also nicht darum, jeden Trend mitzumachen, sondern Inhalte zu erstellen, die zur eigenen Marke passen.
4. Smartphone-Videos oder professionelle Videoproduktion?
Für Ingrid ergänzen sich beide Ansätze.
Spontane Smartphone-Videos eignen sich gut für Stories, Behind-the-Scenes-Inhalte und kleine Einblicke in den Arbeitsalltag.
Gleichzeitig sind professionelle Videos wichtig, um die Qualität einer Marke zu zeigen. Gerade in Bereichen wie Design, Architektur oder Handwerk, wo die visuelle Präsentation eine große Rolle spielt.
Ingrid bringt es mit einem Beispiel auf den Punkt:
„Sie können Dior sein, aber wenn Ihre Inhalte wie Lidl aussehen …“
Am Ende geht es darum, die richtige Balance zu finden. Nicht jeder Beitrag braucht eine professionelle Produktion, aber auch nicht alles sollte einfach schnell mit dem Smartphone aufgenommen werden.
5. KI, Authentizität und Qualität statt Quantität
Natürlich haben wir auch über künstliche Intelligenz gesprochen und darüber, wie sie die Content-Erstellung verändert. Ingrid nutzt KI bereits in ihrem Arbeitsalltag, zum Beispiel für Analysen, Texte oder als Unterstützung bei verschiedenen Aufgaben.
Sie sieht darin auch viele Möglichkeiten für kleinere Unternehmen, die heute bestimmte Inhalte mit deutlich weniger Ressourcen erstellen können.
Etwas kritischer sieht sie dagegen vollständig KI-generierte Werbekampagnen, vor allem wenn dadurch die Arbeit von Fotografen, Videografen und anderen Kreativen ersetzt wird.
Gerade bei Marken, die für Handwerk, Design oder kreative Arbeit stehen, kann dieser menschliche Aspekt ein wichtiger Teil ihrer Identität sein.
Lieber weniger, dafür besser
Ein weiterer Punkt aus unserem Gespräch ist die Frage, wie viel Content Unternehmen eigentlich veröffentlichen sollten.
Natürlich ist es sinnvoll, regelmäßig aktiv zu sein. Aber mehr Beiträge bedeuten nicht automatisch bessere Ergebnisse.
Manchmal sind ein paar gut durchdachte Videos oder Posts wertvoller als täglich neue Inhalte, die nur veröffentlicht werden, um den Redaktionsplan zu füllen.
Das gilt auch für KI und neue Trends. Sie können hilfreiche Werkzeuge sein, sollten aber immer einen bestimmten Zweck erfüllen.
Noch tiefer einsteigen?
Gute Social-Media-Inhalte entstehen nicht unbedingt dadurch, dass man möglichst viel postet oder jedem neuen Trend folgt.
Wie Ingrid in unserem Gespräch erklärt, geht es vor allem darum, die eigene Marke zu verstehen, interessante Geschichten zu finden und die passenden Formate zu wählen.
Ob spontanes Smartphone-Video oder professionelle Produktion:
Wichtig ist, dass hinter dem Inhalt eine klare Idee steckt und Sie wissen, wen Sie damit erreichen möchten.
Sehen Sie sich das vollständige Interview mit Ingrid Rosiau an, um weitere Beispiele und praktische Tipps zu Social-Media-Strategie, Storytelling und Videoinhalten zu entdecken.
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